Lesenswert – wissenswert

Die Zahnärztekasse AG ist der Branche der Zahnmedizin eng verbunden. Deshalb sieht sie ihre Aufgabe auch darin, Know-how und Wissen zu vermitteln. Im Fokus stehen Themen aus den Bereichen Unternehmensführung, Honorar-Management und Wirtschaft.

Creditrend: Management-Information für Zahnarztpraxen
Kolumne Thomas Kast

 

Thomas Kast, Geschäftsführer
der Zahnärztekasse AG
+41 43 477 66 66
kast@zakag.ch

Schlafen ist ungesund

Vor langer Zeit gab es eine weltbekannte Firma, deren Namen aus gerade mal drei Buchstaben bestand. Kaum ein Unternehmen irgendwo auf der Welt, das den Schritt ins Computerzeitalter machen wollte, kam an diesen drei Buchstaben vorbei. Die Rechner von IBM waren riesige Apparate, für die in den Unternehmen ganze Räume bereitgestellt werden mussten. Dann schlug die Stunde der Zwerge: Die Firma mit dem angebissenen Apfel erfand den Personal Computer und wischte den Giganten – zumindest in diesem Segment – vom Markt. Schlafen ist ungesund.

Vor noch nicht allzu langer Zeit gab es im fernen Rochester eine Firma, die den Weltmarkt der Fotografie beherrschte. Wer als Profi oder Amateur irgendwo auf der Welt Bilder knipste, kam an Kodak nicht vorbei. Dann schlug in diesem Markt die Stunde der Digitalisierung. Fast von einem Tag auf den anderen wurden Filme, Fotopapiere und die ganze Fotochemie überflüssig. Der Fotoriese ging pleite. Ironie des Schicksals: Kodak zählte zu den Pionieren der Digitalfotografie, verkannte aber deren Zukunftspotenzial. Schlafen ist ungesund.

Nichts ist für ein Unternehmen gefährlicher, als wenn alles rund läuft, denn Erfolg macht träge. Wer ins Dösen gerät, riskiert ein böses Erwachen. Das gilt auch für den Markt der Zahnmedizin. Patientenbedürfnisse verändern sich mit klarer Tendenz zu höheren Ansprüchen: dies nicht nur mit Fokus auf die eigentliche zahnmedizinische Behandlung, sondern auch im Hinblick auf den gesamten Service darum herum. Das Marktumfeld verändert sich: Neue Praxismodelle wie Zahnzentren mit flexiblen Öffnungszeiten und weiteren kundennahen Dienstleistungen oder – auf der anderen Seite des Spektrums die mit Preisdumping lockenden Discountpraxen – versuchen, den Markt neu aufzumischen. Der Aufritt dieser Player sollte die klassische Zahnarztpraxis zumindest dazu veranlassen, die eigene Positionierung zu überdenken. Technologien entwickeln sich weiter und bieten der Zahnarztpraxis die Chance, sich als fortschrittliches zahnmedizinisches Dienstleistungsunternehmen zu profilieren. Schliesslich gilt es, die generelle wirtschaftliche Entwicklung nicht aus den Augen zu verlieren, denn konjunkturelle Schwankungen wirken sich direkt auf den Privatkonsum aus, also auch auf die Nachfrage nach zahnmedizinischen Leistungen.

Das erste und wichtigste Gebot der Unternehmensführung lautet: Augen offenhalten. Beobachten, was im Markt läuft. Spüren und antizipieren, in welche Richtung er sich entwickelt. Wach bleiben bedeutet, immer in Bewegung zu sein und seinem Unternehmen einen permanenten  Verbesserungsprozess im Sinne von praktizierter Business Excellence zu verschreiben. Hand aufs Herz: Sind Sie sicher, dass Ihre Patientinnen und Patienten – also Ihre Kunden – mit der Servicequalität Ihrer Zahnarztpraxis zufrieden sind? Fragen Sie bei Ihren Patienten doch mal nach, ob sie Ihre Zahnarztpraxis weiterempfehlen würden! Sind Sie sicher, dass Sie das ganze Potenzial ausgeschöpft haben, um Ihre Patienten enger an Ihre Zahnarztpraxis zu binden und sie in ihrer Treue zu bestärken? Sind Sie sicher, dass Ihre Mitarbeiterinnen einzig und allein das Wohl der Patienten vor Augen haben und sich nicht in administrativen Tätigkeiten verlieren? Sind Sie sicher, dass Ihre Zahnarztpraxis auch in Zukunft noch wettbewerbsfähig sein wird?

Fragen wie diese, sollten Sie sich als Unternehmerin oder Unternehmer immer wieder neu stellen. Und handeln. Wenn Sie es nicht richten, richtet es der Markt. Im modernen Management nennt man dies Questions of Excellence.